Was säen im Oktober und November?

Aktualisiert: 18. Okt.

Im Oktober wird es auf dem Balkon ruhiger. Die Tomaten sind abgeräumt, die Töpfe stehen halb leer – und genau jetzt lohnt es sich, nochmals zu säen. Ein paar Sorten gehören jetzt nach draussen in die Erde, andere ziehst du ab sofort auf der Fensterbank. Hier findest du, was im Oktober und November noch geht.
Auf einen Blick: Was du jetzt noch säen kannst
Bis Mitte November, draussen: Winterkefe
Bis Ende Oktober, draussen: Spinat und Babykale
Bis in den Februar, draussen: Winterpostelein
Jederzeit, auf der Fensterbank: Asiasalat und Microgreens (Senf und Linsen)
Im November wird es draussen also eng: Dann bleiben nur noch die Winterkefe bis zur Monatsmitte und der Winterpostelein. Alles andere wandert nach drinnen.
Winterkefe: grün durch den Winter

Wer im Winter nicht auf leere Töpfe schauen will, sät Winterkefen. Sie werden von Mitte Oktober bis Mitte November gesät und überwintern als kleine Pflänzchen. Als stickstoff-fixierende Pflanze sammelt die Kefe über den Winter Stickstoff und bildet Grünmasse. So wird die vom Sommer ausgelaugte Erde wieder fruchtbarer – ganz ohne chemischen Dünger.
Ab April erntest du die ersten Kefen, je nach Witterung bis in den Juni. Danach arbeitest du die Pflanzenreste etwa zwei Wochen vor der nächsten Aussaat in die Erde ein.
Wer hat's erfunden?
Unsere Winterkefen sind eine Schweizer Erfindung. Und zwar von Frieda Welten, der Schweizer Biogarten-Pionierin aus Spiez im Berner Oberland. Sie hatte eine alte, sehr wuchskräftige Sorte im Jahr 1935 von der Grossmutter einer ihrer Schülerinnen erhalten und kultiviert. Heute wird die Winterkefe „Frieda Welten“ von ProSpecieRara weitervermehrt – und vielleicht ja bald auch von dir?
Die Kefe zählt zur Familie der Schmetterlingsblütler. Die Berner-Oberländer-Sorte ist in den meisten Wintern frostfest und entwickelt hübsche violette Blüten, die von allerlei Insekten innig geliebt werden – allen voran von der Blauen und der Schwarzen Holzbiene, den beiden grössten Wildbienenarten, die es bei uns gibt. Mancherorts heisst die Kefe auch Zuckererbse, Kiefelerbse oder Kaiserschote. Sie ist eng verwandt mit der Erbse, bildet aber nur kleine Samenkörner aus. Deshalb kannst du die ganzen Hülsen roh, gekocht oder gebraten essen.
Kefen enthalten Vitamine, Magnesium, Eisen, Zink, Niacin und Pantothensäure, dazu natürliche Kohlenhydrate, Nahrungsfasern und Protein. Und Frieda Welten? Sie schrieb mehrere Ratgeber für den Biogarten und erfand nebenbei den Pflanzlöffel, ein kleines Allzweckwerkzeug zum Pflanzen, Anhäufeln und Rillenziehen.

So säst du Winterkefen
Bereite einen Topf mit Erde vor. Füllst du frische Erde ein, braucht es keinen Kompost, denn Kefen sind Schwachzehrer. Ist die Topferde ausgelaugt, weil zuvor ein Starkzehrer wie Tomate, Aubergine oder Kürbis darin wuchs, lockerst du sie und mischst je nach Topfgrösse 1 bis 3 Handvoll Kompost darunter.
Stelle den Topf an einen sonnigen Platz, wo die Winterkefe viel Luft nach oben hat, denn sie kann im Frühling gut 2 Meter hoch werden. In die Topfmitte steckst du jetzt – oder erst im Frühjahr – eine Rankhilfe von mindestens 2 Metern.
Mit dem Stecken der Samen musst du dich nicht beeilen: Von Mitte Oktober bis Mitte November ist die beste Zeit. Um die Rankhilfe ziehst du kreisförmig im Abstand von ca. 5 cm Rillen, die 5 cm tief sind (Winterkefen werden etwas tiefer gesteckt als Frühlingskefen). Dann legst du alle 5 cm ein Samenkorn in die Rille und füllst sie wieder mit Erde auf.
Nun giesst du den Topf einmal ordentlich. Bis zur Keimung sollte die Erde feucht bleiben, aber nicht nass sein, sonst fault der Samen.
Schaut das erste Grün aus der Erde, giesst du nur noch ab und zu. Die Kefe soll nämlich nicht zu stark wachsen: Sie übersteht den Winter am besten, wenn sie 10 bis 15 cm hoch ist. Zu grosse Pflanzen können erfrieren – darum auch nicht zu früh säen.
Kriegt dein Topf den Winter über keinen Regen oder Schnee ab, giesst du nur an frostfreien Tagen. Prüfe vorher mit dem Finger die Feuchtigkeit: Die Erde sollte nicht staubtrocken sein, aber auch nicht nass.
Fällt Schnee auf den Topf, legst du Tannenäste darüber und schützt die Pflänzchen so vor dem Schneedruck. Stehen sie trocken und wird es sehr kalt, legst du ihnen einen Mulchmantel aus trockenem Laub, Stroh oder Vlies um.
Ernten kannst du ab April. Erntereif sind die Kefen, wenn sich die Samen ansatzweise in den Hülsen abzeichnen.
Spinat und Babykale: noch bis Ende Oktober
Spinat ist nicht frostempfindlich und eignet sich deshalb gut für eine späte Aussaat. Säe ihn bis Ende Oktober an einen sonnigen Platz, etwa 2 cm tief und mit ca. 4 cm Abstand – Spinat ist ein Dunkelkeimer. Bis zur Ernte vergehen etwa acht Wochen, im kühlen Herbst brauchst du etwas mehr Geduld. Wird es richtig kalt, deckst du ihn mit Vlies oder Stroh ab.
Ernten kannst du mehrmals: Schneide jeweils die äusseren Blätter dicht über dem Boden ab und lass das Herz der Pflanze stehen.
Ebenfalls bis Ende Oktober kannst du Babykale säen. Der junge Federkohl ist eine sehr gute Herbstkultur: Säe ihn etwa 0,5 cm tief an einen sonnigen bis halbschattigen Platz in durchlässige, humusreiche Erde. Nach 7 bis 14 Tagen keimt er. Bei warmem Wetter schneidest du nach 4 bis 6 Wochen die ersten Blätter, im Herbst dauert es etwas länger.
Ernte immer die äusseren Blätter, dann wachsen die inneren weiter – für Salat, Pesto oder Smoothies. Giess regelmässig, aber vermeide Staunässe.
Winterpostelein: der Salat, der Kälte mag
Winterpostelein keimt erst unter 12 °C – im Hochsommer tut sich nichts, jetzt dagegen ist seine Zeit. Gesät wird von August bis Februar. Leg die Samen mit 10 bis 15 cm Abstand auf die angedrückte Erde, bedecke sie dünn mit etwa 0,5 cm Erde und halte sie feucht. Er gedeiht am besten im Halbschatten, braucht keinen Dünger und muss erst bei starkem Frost ab etwa –15 °C mit Vlies geschützt werden.
Nach rund acht Wochen pflückst du die ersten Blätter, immer von aussen nach innen. Lässt du das Herz stehen, kannst du bis zu sechsmal ernten. Im Freiland ist die Ernte meist im Frühjahr.
Für die Fensterbank: Asiasalat und Microgreens
Für draussen ist es beim Asiasalat jetzt zu spät – im Freien wird er von März bis September gesät. Auf der Fensterbank wächst er dagegen das ganze Jahr. Die Mischung aus Green in Snow, Red Giant, Mizuna und Moutarde Rouge Metis schmeckt feinwürzig bis senfartig scharf. Schneide jeweils die äusseren Blätter ab und lass das Herz stehen, dann wächst er nach.
Noch schneller geht es mit Microgreens. Senf und Linsen kannst du drinnen jederzeit ansäen: Körner 4 Stunden in Wasser einweichen, dicht an dicht auf feuchte Erde in ein flaches Gefäss legen und täglich besprühen. Stell sie an einen hellen, warmen Platz ohne direkte Sonne. Nach rund zwei Wochen erntest du Senfgrün mit milder Schärfe oder herb-nussiges Linsengrün.
Jeden Monat die richtige Sorte: das Saatgut-Jahresabo
Du willst dir nicht merken müssen, was wann dran ist? Dann übernimmt das unser Saatgut-Jahresabo. In der ersten Woche jedes Monats kommt ein Couvert mit Bio-Saatgut, das genau jetzt gesät werden will – samenfest, mit Anleitung und einem saisonalen Rezept. Im Oktober-Couvert steckt Spinat, im November-Couvert Baby-Leaf.
Zum Start bekommst du eine Box mit Anzuchttöpfen, Etiketten, einem Booklet und Kresse, damit du sofort loslegen kannst. Einsteigen kannst du jederzeit – für CHF 139 begleitet dich das Abo durch das ganze Jahr.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Jahr 2022 und wurde von Scarlet Allenspach verfasst. Im Oktober 2026 wurde er von Katrin Helbich überarbeitet und um die Übersicht für Oktober und November, Spinat und Babykale, den Winterpostelein und die Sorten für die Fensterbank ergänzt.
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