• Brigitte Maurer

Das Rüebli-Experiment

Üblicherweise werden Rüebli spätestens im Sommer angesät, im Herbst geerntet und für den Winter gelagert. Wir haben erfolgreich experimentiert und handhaben das für einmal anders: So säen wir im September in den Balkontopf und knabbern die ersten Jungrüebli noch vor Wintereinbruch. Im nächsten Frühjahr ernten wir die ausgewachsenen Exemplare.


Rüebli-Teenie: im Topf gezogen, geerntet Ende Januar

Das Rüebli – auch bekannt als Karotte, Möhre oder Gelbrübe – ist ein Tausendsassa! Im Schweizer Gemüse-Ranking belegt es seit Jahren den ersten Platz, noch vor der Tomate. Rüebli enthalten viel Zucker und werden deswegen gern als Babynahrung zubereitet. Weil das darin enthaltene Beta-Carotin fettlöslich ist, sollten Rüebli immer mit etwas Öl oder Butter gekocht werden. So kann das Carotin besser aufgenommen werden. Ein Rüebli liefert zudem viele Vitamine wie A, C und K sowie Kalium, Mangan und Biotin.


Uriges Wurzelgemüse

In Europa hat das Rüebli eine jahrtausendealte Geschichte. In der Schweiz zeugen dreitausend Jahre alte Pfahlbauten davon, in denen man Reste eines Rüeblieintopfs fand! Später, in der Antike, wurden Rüebli ebenfalls gegessen und als Heilkraut eingesetzt: um Augen, Haut und Herz zu stärken.


Unsere Rüeblisorte eignet sich prima für Urban Gardening, also für einen Anbau im Topf auf dem Balkon oder der Terrasse. Rüebli sind generell gut winterhart und vertragen Frost problemlos, wenn sie in der Erde verbleiben.


Rüebli im Topf säen

  • Das Pflanzgefäss muss mind. 30 cm hoch sein und einen Durchmesser von ca. 30 cm aufweisen. Falls schon gebrauchte Erde darin ist: Lockere sie gut und arbeite ein paar Handvoll Kompost ein. Rüebli haben einen mittleren Nährstoffbedarf.

  • Falls du noch Platz in andern Töpfen hast: Rüebli verstehen sich gut in Mischkultur mit Bohnen, Erbsen, Knoblauch, Lauch, Mangold, Radieschen, Tomaten, Zwiebeln.

  • Streue die Samen breitwürfig aus und bedecke sie mit ca. 2 cm feinkrümeliger Erde.

  • Halte die Erde stets feucht, bis sich die ersten grünen Spitzen zeigen. Nach 3 bis 4 Wochen ist es soweit. Rüebli trödeln beim Keimen: Du brauchst also etwas Geduld!

  • Wenn sich 3 Krautblätter entwickelt haben, wird ausgedünnt: so, dass jede Pflanze auf alle Seiten mind. 3 cm freien Platz hat. Tipp: Wenn du mit dem Ausdünnen etwas länger wartest, kannst du diejenigen Jungrüebli, die du zwecks Platz ausreissen musst, gleich aufessen.

Rüebli im Topf überwintern

  • Wenn der Frost auf deinem Balkon einzieht, bevor deine Rüebli erntereif sind, verbleiben sie einfach im Topf und werden im kommenden Frühling geerntet.

  • Damit sie bei lang andauernden, eisigen Temperaturen nicht erfrieren, deckst du sie mit einer Mulchschicht ab. Verwende dafür trockene Materialien: Pflanzenreste, Laub, Stroh, Kartonstreifen, Holzwolle oder -schnitzel.

  • Das Rüebli stellt das Wachstum in der sehr kalten Jahreszeit ein. Und keine Sorge: Falls das Kraut erfriert, wird es schon ab ca. 10 Grad wieder neu spriessen.

  • Vergiss nicht, den Rüeblitopf auch im Winter zu giessen; er darf nicht austrocknen.

Rüebli ernten

Rüebli kann man immer ernten, also auch schon als Winzlinge, dann sind sie besonders zart. Wenn sie im Frühling und Sommer gesät werden, sind sie nach 3 bis 4 Monaten ausgewachsen und sollten dann abgeerntet werden, sonst werden sie holzig und bitter.

Wandern die Samen (wie bei unserem Experiment) erst im Herbst in die Erde, braucht es ca. 6 Monate, bis die Wurzeln voll ausgebildet sind.


Die Ernte lagerst du am besten bei hoher Luftfeuchtigkeit, also im Kühlschrank oder in einem kühlen Keller. So bleibt sie lange frisch und knackig.

Tipp: Vor dem Lagern das Kraut abschneiden und daraus eine Pesto machen.


Viel Glück!

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