• Brigitte Maurer

Pflücken erlaubt! Essbares Paradies für alle

Schon bald dürfen Stadtbasler*innen im Pfarrhausgarten der Elisabethenkirche frisches Gemüse und saftiges Obst ernten. Im Auftrag der Offenen Kirche wertete Urbanroots den Zaun und die Gartenanlage mit einer Vielfalt an essbaren Pflanzen auf.


Über 150 Setzlinge und Stecklinge wachsen nun in 42 Pflanztaschen und ranken sich entlang des Zauns. Weitere 20 essbare Gemüse-, Kräuter- und Blumensorten wurden angesät. Ein- und mehrjährige Arten und Sorten, allesamt in bester Bioqualität. In zwei Workshops bepflanzten Grünstadtbegeisterte gemeinsam mit uns die geschichtsträchtige Gartenanlage. Dabei lernten die Teilnehmenden auch gleich das Einmaleins des Stadtgärtnerns.


Möglichst grosse Arten- und Sortenvielfalt

Wer kommt mit wem in die Pflanztasche? Eine echte Denksportaufgabe, es galt – nebst der Mischkultur (gute/schlechte Nachbarn) – auch den Nährstoffbedarf (Stark-, Mittel-, Schwachzehrer) und den optimalen Standort (sonnig, halbschattig, schattig) zu berücksichtigen.


Dem nicht genug: Wir wollten gleichzeitig möglichst viele unterschiedliche Pflanzenarten und -sorten in jede einzelne Taschen bringen. Auch, um zu zeigen, dass die Vielfalt von Natur aus viel grösser ist als das heutige Angebot im Pflanzengrosshandel. So wachsen beispielsweise gleich fünf Sorten Basilikum oder ebenso viele Tomatensorten in den Recycling-Taschen. Selbst erfahrenere Gärtner*innen werden neues Gemüse entdecken können, darunter auch alte Wildformen und solche von ProSpecieRara.


Schliesslich galt es auch, im Rahmen des limitierten Budgets das Bestmögliche zu bewirken, was dank Passion und Kreativität aus unserer Sicht gelang.


Geduld ist gefragt

Noch sind sie klein, die von Natur aus Grossen, die wir beim Zaun und unmittelbar neben dem Eingang zum Refektorium direkt in die Erde gesetzt haben. Ja, sie müssen diese Gartensaison erstmal an ihrem Platz ankommen, anwachsen und so richtig wurzeln.


Beerntet werden können die weissen, roten und blauen Tafeltrauben, der rote Weinbergpfirsich, die Mini-Kiwi, der kaukasische Rankspinat, die Artischocken, die breitblättrigen Platterbsen und der Wallwurz aber erst ab dem nächsten Jahr. Dafür sind sie fast alle pflegeleicht und vertragen Trockenheit für gewöhnlich gut, auch, weil wir die Erde grosszügig mit Chinaschilf gemulcht haben.

Mit dem natürlichen Kreislauf

Ausreichend Zeit, um anzukommen, brauchen zudem die beiden weiblichen Hopfen, die alsbald links und rechts der Gartenpforte hochklettern werden. Unter und zwischen den Bäumen dürfen sich Walderdbeeren nach Lust und Laune ausbreiten. Am Kieswegrand werden sich die essbaren Blüten, die wir gesät haben, in den kommenden Jahren versamen und jährlich neu aufblühen.


Voraussetzung dafür ist eine naturgetreue und damit schonungsvolle Pflege der Gartenanlage. Das bedeutet in erster Linie: Die frische Saat in den Pflanztaschen und unter den Bäumen muss bis zum Keimen feucht gehalten, Gemüse und Kräuter in den Taschen je nach Wetter gegossen werden.


Und weiter: Im Herbst sollte nichts zurückgeschnitten werden. Denn die meisten Insekten wie Käfer, Schmetterlinge oder Bienen überwintern in Form von Eiern, Larven oder Puppen an Sträuchern, Stängeln und unter Blättern. Einige erwachsene Tiere suchen sich für ihr Winterquartier ein Versteck, etwa eine Erdhöhle oder Mauerritze. Im Frühling wird der Rückschnitt dann einfach an Ort liegengelassen. So dient er zuerst als Mulch, später – wenn er kompostiert – als Dünger. Der natürliche Kreislauf schliesst sich.