• Kim Wüst

Die Brennnessel – ein Multitalent

Aktualisiert: 13. Feb.

Vielen ist das brennende «Unkraut» bekannt. Was einige aber nicht wissen: Es ist vielseitig verwendbar. Ob als Tee, gekocht wie Spinat oder frisch. Die Blätter enthalten sehr viel Vitamin C, Eisen und Eiweisse. Ein richtiger Super Food und das sogar lokal! Auch die kleinen Samen können konsumiert werden, beispielsweise in Müslis.


Was für viele neu sein mag: Die Pflanzen besitzen, ähnlich wie Leinen und Hanf, auch Fasern zur Stoffherstellung. Es gibt verschiedene Methoden, die Fasern aus dem Stängel zu gewinnen. Eine davon wird im Winter angewandt. Während man im Sommer frische Stängel pflückt und durch eine sogenannte Tauröste fermentieren lässt, macht im Winter das Wetter und die Zeit die Arbeit. Die Fasern sitzen nämlich zwischen der Rinde und dem holzigen Inneren und sind mit einem Klebstoff verbunden. Um diese Pektine zu brechen, braucht es Bakterien, die sie abbauen. Dabei ist entscheidend, wie lange man die Stängel fermentieren lässt. Zu lange und die Fasern sind auch nicht mehr da.



Wenn das Wetter stimmt, es weder zu nass noch zu trocken war, kann man die kahlen Stängel im Dezember pflücken. Um die Fasern vom Innern zu lösen, muss man den Stängel längs mit einem Messer öffnen und vorsichtig am unteren Ende anfangen, die Rinde samt Fasern abzuziehen. Nach und nach entsteht ein Bündel aus Fasern und Rinde. Um die Rinde loszuwerden, kann man das Bündel zuerst in den Händen rollen, dann durch verschiedene Hecheln ziehen. Eine Hechel sieht aus wie ein Nagelbrett und man beginnt mit dem Gröbsten und wird dann immer feiner, bis man zu Wollkarden wechselt. Die feinen Fasern können dann gesponnen werden und als Garn gewoben oder gestrickt werden.



Da der Prozess der Fasergewinnung sehr aufwendig ist, existieren auf dem Markt nicht sehr viele Anbieter. Es gibt aber unterschiedliche Brennnesselsorten, so werden z.B. in Nepal grössere Mengen aus der Himalaya-Nessel produziert. Hier in Europa ist es eher ein Freizeit-Trend. Dennoch wurde zu früheren Zeiten immer mal wieder zum Nesselstoff gegriffen, wenn andere Ressourcen knapp wurden.


Wer mehr über den ganzen Prozess erfahren möchte: