• Scarlet Allen

Wo kommt unser Bio-Saatgut her?

Aktualisiert: 26. Aug 2019

Vor einigen Wochen war ich zu Besuch bei unserem Saatgut-Produzenten Sativa Rheinau und durfte mir ansehen, wo unser Bio-Saatgut heranwächst und welche Schritte notwendig sind, bis die Samen in den schönen Tütchen und schlussendlich bei euch auf dem Balkon landen.


Über Sativa Rheinau

Sativa Rheinau wurde 1999 gegründet, um eine eigenständige und gentechnikfreie Saatgutversorgung für Bio-Landbau und Garten sicherzustellen. Der Firmensitz befindet sich im idyllischen Teil des Ortes, gleich neben dem Kloster Rheinau. Sativa ist Teil der Fintan-Stiftung. Die Fintan-Stiftung setzt sich aus verschiedenen Betrieben zusammen, die sich zum Teil ergänzen und eine ähnliche Ideologie verfolgen. Es gibt Wohngruppen für Menschen mit Beeinträchtiungen, Landwirtschaftsbetriebe und die Saatgut-Produktion von Sativa. Die Menschen aus den Wohngruppen helfen in den Landwirtschaftsbetrieben mit, die Landwirtschaftsbetriebe helfen Sativa ihr Saatgut zu vermehren und Sativa beliefert die Betriebe wiederum mit ihrem Bio-Saatgut. Die drei Betriebe teilen sich auch Räumlichkeiten, wie zum Beispiel die (sehr empfehlenswerte) Kantine.


Als wir unseren Onlineshop mit dem Saatgut-Jahresabo gestartet haben, war für uns klar, dass wir nur Bio-Saatgut aus Schweizer Herstellung verwenden würden, da uns kurze Transportwege und einen persönlichen Kontakt zum Hersteller wichtig ist. Sativa ist dank der grossen Auswahl und den freundlichen Mitarbeitern der perfekte Partner für uns. Das Saatgut wird in Rheinau angepflanzt und dann in Partnerbetrieben in Italien, Frankreich, Österreich und Deutschland vermehrt. So kann unter den günstigeren klimatischen Bedingungen z.B. in Italien oft wesentlich effektiver und qualitativ besseres Saatgut erzeugt werden. Bei unserem ersten Besuch im November waren die meisten Kulturen bereits abgepackt, weshalb ich mich im Juli noch einmal auf den Weg nach Rheinau machte und dort von Michael durch das ganze Areal geführt wurde.

So sehen blühende Karotten aus!


Wieso eigentlich Bio-Saatgut?

Vielleicht hast du schon in den Medien gelesen, dass wenige Grosskonzerne den weltweiten Samenmarkt bestimmen und somit diktieren können, was auf unseren Tellern landet. Kritisch ist dabei vor allem, dass die meisten unserer Gemüse sogenannte Hybridsorten (auf Saattüten mit F1 gekennzeichnet) sind. Diese sind zwar auf eine ergiebige Ernte hin gezüchtet, jedoch sind deren Samen für die nächste Aussaat unbrauchbar. So sichern sich die Konzerne, dass Bauern Jahr für Jahr neues Saatgut bei ihnen bestellen. Unsere Bio-Samen kannst du im nächsten Jahr problemlos zur Anzucht neuer Pflanzen verwenden.



Alles blüht!

Für die Saatgut-Gewinnung müssen logischerweise alle Kulturen mindestens bis zur Blüte stehen gelassen werden. So bekommt man bei Sativa für einmal auch meterhohe, blühende Salate, Karotten oder Fenchel zu Gesicht, die sonst viel jünger geerntet werden. Gewisse Kulturen sind gar nicht so einfach zum Blühen zu bringen, da sie für einen grossen Fruchtkörper hin gezüchtet sind. Ironischerweise meinte Michael, dass gerade der Blumenkohl nur schwer zum blühen gebracht werden kann. Die Samenstände werden dann vorsichtig geerntet, getrocknet, gereinigt und gelagert.

Blumenkohl soll im Garten möglichst nicht blühen. Das erschwert die Saatgut-Gewinnung.

Aus diesen Blüten wird unser Saatgut für die essbare Blütenmischung gewonnen. Die Hummel leistet ihren Teil dazu.

Überall summt es!

Das Bestäuben der Blüten ist für die Fruchtbildung elementar, bringt für die Saatgut-Züchtung aber auch Tücken mit sich. Für den Verkauf ist Sativa auf eine sortenreine Bestäubung angewiesen, damit sich zum Beispiel verschiedene Kürbissorten nicht kreuzen. Denn sonst gäbe es beim Endkunden eine böse Überraschung. Eine Biene hat einen Flugradius von bis zu 3 Kilometer. Ähnliche Gemüsesorten werden daher auf weit voneinander entfernten Feldern angebaut, um sicher zu gehen, dass sie nicht voneinander bestäubt werden können. Vieles wird aus diesem Grund auch in geschlossenen Gewächshäusern angebaut. In jedem Gewächshaus wird dann ein Hummelvolk einquartiert, welches dort die Bestäubung übernimmt. Damit ihre Diät nicht allzu einfältig wird, sind immer noch ein paar Blumen dazwischen.


Die Züchtung verlangt auch viel Handarbeit. Hier bestäubt eine Mitarbeiterin einen Kohl mit sich selbst.

Eine ganze Wissenschaft!

Saatgut ist eines unserer wichtigsten Kulturerben und die Vielfalt unglaublich wertvoll. Die klimatischen Veränderungen und die zerstörerische Entwicklung der Landwirtschaft bringen dieses wertvolle Gut in Gefahr. Deshalb schätzen wir es, dass Sativa auch alte Sorten vermehrt und weiterentwickelt. Hinter der Züchtung steckt enorm viel Wissen und Geduld. Um das Saatgut an den Klimawandel anzupassen, muss es immer wieder in einem wärmeren und trockneren Klima angesät werden. Dann wird von den resistentesten Pflanzen das Saatgut geerntet und vermehrt.







Von der Aussaat bis zur Verpackung – Saatgutherstellung im Schnelldurchlauf

1- Bohnen werden auf dem Feld angebaut und anschliessend geerntet und getrocknet.

2- Artischoken geniessen das gute Wetter und öffnen ihre Blüten.

3- Fenchel wird im Gewächshaus zum blühen gebracht und von Hummeln bestäubt.

4- Diese Zwieben bekommen eine Extrabehandlung...

5- ... sie werden in den Netzchen von Fliegen mit sich selbst bestäubt und sozusagen geklont, damit die Sorte rein bleibt.

6- Jede Sorte wird auf seine Keimfähigkeit getestet.

7- Nach dem Trocknen werden die Samen gesäubert.

8- Übrig bleiben die Hülsen und Pflanzenresten.

9- Da Samen sehr unterschiedlich sind, gibt es für die Reinigung verschiedene Maschinen. Einige davon sind noch aus der DDR, bei anderen kommen hoch moderne Technologien zum Einsatz.

10- Dann werden die Samen in grossen Säcken gelagert und an Urbanroots geliefert.

11- So idyllisch ist das Firmengelände von Sativa Rheinau gelegen!

12- Verpackt und versendet wird das Bio-Saatgut dann von uns.

13- Eine Auswahl findest du in unserem Onlineshop.


Besten Dank an Michael Beismann und Benjamin Bauer für die Führung und die Unterstützung!

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