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Tomaten, Auberginen, Peperoni: Die Langsamen zuerst!

Das Vorziehen von eigenen Setzlingen macht viel Freude. Gerade bei den empfindlichen Nachtschattengewächsen lohnt es sich, mit der Vorkultur im Haus einen Wachstumsvorsprung zu erzielen. Wir zeigen, was es dabei zu beachten gilt.


Wärmeliebende Kulturen wie Tomaten Auberginen, Peperoni und Chili gehören zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Sie brauchen eine längere Vegetationsperiode und mögen besondere Bedingungen mit viel Licht, genügend Wärme und Feuchtigkeit. Diese sensiblen «Südländer» kann man zeitig im Haus heranziehen und damit wertvolle Kulturwochen überbrücken. Die kräftigen gesunden Jungpflanzen werden erst dann ausgepflanzt, wenn das Klima draussen warm genug ist. Die sortenspezifischen Eigenschaften von Tomaten, Peperoni und Co. machen es möglich, dass sich auch Balkongärtner mit eigenem Gemüse versorgen können.


Farbenvielfalt und Aromen


Wer Tomaten und Peperoni selbst aussät, hat die Qual der Wahl, denn das Sortiment ist riesig. Sollen im Topf schwarze Cherrytomaten, süsse Datteltomaten oder prächtige Fleischtomaten wachsen? Wird die neuste Chilisorte das Vegi-Curry würzen oder die hübsche Glockenpaprika den Gemüse-Eintopf krönen? Für den Balkongarten begeistern uns vor allem Pflanzen mit kompaktem Wuchs und frühem reichlichem Fruchtbehang. Auch die Robustheit gegenüber Krankheiten sollte man beachten. Jetzt ist die Zeit ideal, um die bereits vorhandene Samen auf Keimfähigkeit zu prüfen, in Fachkatalogen zu stöbern und neues Saatgut zu bestellen.


Guter Start


Die Bedingungen müssen ausgewogen sein, damit die «Spätzünder» auf der Fensterbank zu kräftigen Jungpflanzen heranwachsen.


-Für die Aussaat eignen sich Schalen, Recyclingbehälter oder kleine Töpfchen. Wichtig ist, dass die Gefässe über Abflusslöcher verfügen, sodass die Feuchtigkeit gut ablaufen kann.


-Als Substrat eignet sich eine feinkrümelige Aussaaterde am besten. Die Samen sollten guten Kontakt zur Erde haben und während der Keimung nicht austrocknen.


-Und so geht's: Die Gefässe mit dem Substrat füllen, die Erde flach drücken und sorgfältig angiessen. Nun das zuvor einige Stunden im Wasser eingelegte Saatgut darauf verteilen.


-Samenkörner von Nachtschattengewächsen sind Dunkelkeimer und werden deshalb dünn mit Erde bedeckt, etwa doppelt so hoch wie die Samenkörner dick sind.


-Anschliessend stülpt man eine Plastikhaube, eine Glasscheibe oder feuchtes Zeitungspapier über die Gefässe und stellt sie bei Zimmertemperatur an einem hellen, warmen Standort bei etwa 24 °C auf.



Tipp: Wer eine Bodenheizung hat, kann die Saatgefässe bis zur Keimung auf den warmen Boden stellen. Dabei beachten, dass die Erde stets feucht bleibt.



Sämlinge vereinzeln


Sämlinge von Tomaten keimen nach 9 bis 14 Tagen, bei Peperoni und Chili dauert es etwas länger und Auberginen benötigen sogar drei Wochen. Zeigt sich das erste Blattpaar nach den Keimblättchen, so ist der richtige Zeitpunkt da, um jedem Pflänzchen sein eigenes Töpfchen zu geben. Mit dem Vereinzeln (Pikieren) erhalten die Sämlinge mehr Raum und deren Wurzelwerk wird angeregt, sich besser zu verankern. Zum Vereinzeln hebt man die Pflänzchen mit einem Pikierholz oder Bambusstab samt den Wurzeln sorgfältig aus der Erde und setzt sie einzeln in einen Topf.


Langsam abhärten


Bis Mitte Mai bleiben die Jungpflanzen noch im Haus, um gut anzuwachsen und zu erstarken. Für ein gesundes Wachstum benötigen die Schützlinge nun weiterhin regelmässig Feuchtigkeit sowie einen hellen Platz bei etwas kühleren 18 bis 20 °C. Eine zu warme Zimmertemperatur von 25 °C oder mehr, mit nur wenig Lichteinfall, würde die Setzlinge bleich und schwächelnd in die Höhe schiessen lassen. Anschliessend werden die Setzlinge langsam abgehärtet und an das Klima im Freien gewöhnt. Dafür stellt man sie am besten regengeschützt und noch ohne direkte Sonneneinstrahlung an einen geschützten Platz.



Raus an die frische Luft


Nach den Eisheiligen oder falls ein geschützter Platz es schon früher erlaubt, dürfen die wärmeliebenden Nachtschattengewächse endlich ins Freie. Nun werden sie in Töpfe und grosse Gefässe gesetzt. Gut verrotteter Mist, Hornspäne oder Rizinusschrot nähren die starkzehrenden Pflanzen und sorgen für gesundes Wachstum.


Tipp: Tomaten werden leicht schräg und tief – bis zum Blattansatz – eingepflanzt. Auf diese Weise bilden sie Seitenwurzeln, die der Pflanze ebenfalls Nahrung zuführen. Auch Peperoni und Auberginen pflanzt man im endgültigen Gefäss tiefer ein als zuvor.



Giessen und düngen


Zwar mögen die Sonnenhungrigen je nach Sorte nur wenig oder gar kein Wasser auf ihren Blättern, doch im Wurzelbereich sind sie überaus durstig: An einem warmen Standort benötigen sie reichlich temperiertes, am besten abgestandenes Wasser. Versetzt man das Giesswasser mit Brennesseljauche, so bedanken sich die Pflanzen mit einem gesunden Wachstum. Eine Mulchschicht aus Beinwellblättern stärkt die Pflanzen zusätzlich und schützt sie vor starker Austrocknung. Die vielleicht effektivste und einfachste Stärkung von Tomaten erreicht man mit ihren pflanzeneigenen Wirkstoffen: Hiefür die beim Ausbrechen der Seitentriebe (Geiztriebe) anfallenden Pflanzenteile klein schneiden und als Mulchdecke auflegen. Beim Giessen fliessen nun die Nährstoffe direkt zu den Wurzeln und werden dort wieder aufgenommen.


Tipp: Als Nachbarpflanzen für Nachtschattengewächse eignen sich Kapuzinerkresse, Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, Kohlarten sowie Salate.




TEXT Ruth Schläppi für www.schweizergarten.ch

BILDER: Ruth Schläppi & pflanzenfreude.de




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