• Brigitte Maurer

Pflanzenkohle als genialer Langzeitdünger

Aktualisiert: 12. Aug.

Mit der Pflanzenkohle holst du dir ein Stück Permakultur in deinen Balkon- oder Stadtgarten. Damit sie dir als fruchtbarer Langzeitdünger dienen kann, muss sie zuerst mit Nährstoffen aufgeladen werden. Wir zeigen dir, woher die Kohle kommt und wie das geht.


So schrecklich ein Waldbrand im Moment ist, so fruchtbar wird die verbrannte Erde in Zukunft sein. Denn die verkohlten Bäume, Büsche und Bodendecker – also die Pflanzenkohle – bilden die Basis für Terra Preta, portugiesisch für «Schwarze Erde». Wenn dann noch über Jahrtausende kompostierte Pflanzenreste und tierischer Mist hinzukommen, entsteht ein einzigartiger Humus.



Urwissen aus dem Amazonas

Schon die indigenen Völker, die mit und nicht gegen die Natur gärtnerten, wussten um die Kraft dieses natürlichen Kreislaufs. Bei uns ist Terra Preta erst seit den 1960er-Jahren bekannt. Im Amazonasgebiet stiessen Forschende auf diese überaus nährstoffreiche und tiefschwarze Erde. Und sie fanden heraus, dass die Urbevölkerung Terra Preta selber herstellte: Die Holzkohle aus ihren Feuerstellen vermischten sie mit Kompost, tierischen und menschlichen Fäkalien und brachten sie auf ihren Feldern aus.


Kohle langsam aktivieren

Pflanzenkohle speichert Nährstoffe, Wasser und CO2 im Boden. Und sie bietet erwünschten Mikroorganismen ein optimales Zuhause. Dafür muss sie jedoch zuerst aktiviert werden, am besten mit Kompost. Du kannst sie also einfach deinem Komposthaufen oder deiner Kompostkiste beimischen, im Verhältnis von ca. 10-30% zur vorhandenen Biomasse. Dort darf auch gern Mist von Hühnern, Kaninchen, Hamster & Co. mit rein. Die Kohle kann sich so mit Nährstoffen vollsaugen. Ist der Kompost reif, mischt du ihn wie gewohnt unter deine Garten- und Topferde.


Kohle rasch aktivieren

Wer keinen Kompost hat oder nicht solange warten mag, kann die Pflanzenkohle mit einem gekauften Bio-Dünger aufladen, der im Verhältnis von ca. 1:20 verdünnt werden muss. Noch besser ist es, wenn du die Kohle mit der eigenen Brennnesseljauche aktivierst. Bevor du die Kohlenstücke reinlegst, muss die Jauche ebenfalls verdünnt werden: ca. 5 dl Jauche auf 10 l Wasser. Die Kohle darf nun mind. 2 Wochen darin baden, bis sie im Topfgarten oder im Gartenbeet eingearbeitet wird.



Naturverbundene sammeln den eigenen Urin. Mit dem unverdünnten Urin kann die Kohle ebenfalls sofort aktiviert werden. Frischer Urin gilt grundsätzlich als prima Naturdüngemittel für den Garten. Denn er enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium. Im Körperinnern ist er übrigens steril. Allerdings darf er keine chemischen Rückstände von eingenommenen Medikamenten oder von Hormonen enthalten.


Unbedingt beachten!

Pflanzenkohle muss immer zuerst aufgeladen werden. Wird sie einfach so unter die Erde gemixt, saugt sie zuerst die im Boden vorhandenen Nährstoffe auf, nimmt sie also dem Gemüse zumindest in der ersten Gartensaison weg.


Bitte keine Grillkohle verwenden, weil sie leider sehr oft Schadstoffe enthält. Diese stammen beispielsweise von pestizidbehandeltem Holz, von Bauholz oder gar alten Bahnschwellen. In solcher Kohle lagern sich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ein, die giftig sind.

 


Woher unsere Kohle kommt

Die Pflanzenkohle aus unserem Shop ist zertifiziert und wird aus regionalem Landschaftspflegeholz hergestellt. Verwendet werden dafür ausschliesslich regionale Biomasse wie Holz- und Grünschnitt aus einem Radius von maximal 40 km um Basel. Alle darin enthaltenen Rohstoffe sind unbehandelt und werden eingehend kontrolliert. Danach werden sie bei 600 °C unter Ausschluss von Sauerstoff langsam verkohlt. Diese Art von Verkohlung heisst Pyrolyse. Dabei verbleibt viel mehr Kohlenstoff (CO2) in der Kohle als bei der Verbrennung.